Sind Katzen Einzelgänger? NEIN, eigentlich nicht.
Es gibt folgende Gründe, die aus meiner Sicht für eine Einzelkatzenhaltung sprechen:
Eine erwachsene Wohnungskatze, die nicht ausreichend sozialisiert ist und sich somit mit Artgenossen absolut nicht verträgt, ist für die “Einzelhaft” geeignet.
Freigänger. Freigänger können sich ihre soziale Kontakte zu anderen Katzen während des Freigangs suchen. Hier ist es – aus meiner Sicht – nicht zwingend notwendig, dass sie zu Hause einen Artgenossen hat.
Wenn man nun eine erwachsene Wohnungskatze hat, bedeutet „Einzelhaft“ aber auch dann nicht, dass sie den ganzen Tag allein gelassen werden kann. Das arme Tier! Wir als Menschen stehen dann noch mehr in der Verantwortung, ihr Abwechslung zu bieten. Viele Katzen äußern ihren Unmut oft durch Unsauberkeit und „vergessen“ scheinbar plötzlich, wo sich die Katzentoilette befindet. Es kann auch passieren, dass die Einzelkatze aggressiv wird; oder einfach alles, was ihr unter die Krallen kommt, zerstört…
Der Großteil der Katzen äußert aber ihren Unmut leider gar nicht. Sie nehmen es einfach hin und “beschweren” sich nicht. Leider wird das allzu oft falsch interpretiert und man könnte auf den Gedanken kommen, dass es der Katze gut geht. Denn schließlich „hatten wir ja noch nie Probleme mit unserer Einzelkatze“.
Auf gar keinen Fall sollte man sich ein einzelnes Kitten in die Wohnung holen. Wie schrecklich, da wächst das Kleine bei der Mama und den Geschwistern auf und wird dann auf einmal herausgerissen und zur Einzelhaft verdonnert. Mit wem soll das Kitten dann spielen? Mit wem soll es schmusen? Mit wem soll es sich dann um die Wette putzen? Wen soll es dann quer durch die Wohnung jagen und Spaßkämpfe ausführen? Mit wem soll es wirklich Katze sein dürfen? Mit uns Menschen etwa? Nein. So viel wir uns auch mit einem Kitten beschäftigen, wir können nie (!) den Artgenossen ersetzen.
Wir Menschen sind im Normalfall doch auch viel weniger gefordert, wenn wir zwei (drei, vier…) Katzen haben. Dann beschäftigen sie sich in der Regel viel untereinander – und zu zweit ist es einfach viel lustiger, Schabernack zu treiben
Seit Taylors Tod vertrete ich diese Meinung noch viel mehr, als ich es eh schon immer getan habe. Wenn ich daran denke, wie oft meine Beiden gemeinsam irgendwo eng aneinandergekuschelt gelegen haben, wie oft sie sich gegenseitig putzten, miteinander spielten, sich jagten und miteinander kämpften… und dann habe ich Tomlyn vor mir gesehen, wie er alleine auf seinen Plätzen liegt, wie traurig er uns morgen ansah, wenn wir das Haus verließen und wie sehr er sich freute, wenn wir abends wieder nach Hause kamen. Es war einfach nur traurig. Zum Glück ist seit dem 10.06.08 unser kleiner Howie da und die Beiden können sich die Zeit gemeinsam vertreiben, bis wir wieder zu Hause sind.
Eine Katze ist im Normalfall einfach kein Einzelgänger. Auch Freigänger suchen sich draußen ihre sozialen Kontakte.
Wenn man eine Einzelkatze möchte und es dann auch unbedingt ein Kitten sein muss, sollte man sich mal Folgendes vorstellen: Setzen wir uns für neun Stunden in die Wohnung. Ohne Fernseher. Ohne Radio. Ohne Computer. Ohne Bücher. Ohne Telefon. Wir können uns einen Ball hinlegen, mit dem wir ab und an spielen können. Wir können zum ständig bereitstehenden Futter laufen um mal was zu essen. Wir können aus dem Fenster gucken. Auf Toilette gehen wir auch ein- oder zweimal. Das war’s dann aber auch schon. Ach, eine Uhr dürfen wir natürlich auch nicht zu Gesicht bekommen.
Unsere Langeweile in der Zeit verdoppeln wir einfach – oder verdrei- oder vervierfachen wir sie sogar? – und dann, denke ich, können wir nachvollziehen, wie sich eine Katze (oder ein Hund, ein Kaninchen, eine Maus, etc….) fühlen muss, wenn sie ständig allein gelassen wird.
Katzen sind soziale Wesen (im Normalfall)









